Ohne Kapitän Michael Ballack und Abwehrchef Christoph Metzelder, aber dafür mit den Familien und den besten Wünschen der Bundeskanzlerin ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum EM-Feinschliff nach Mallorca gereist. Joachim Löw wird auf der Lieblings-Insel der Deutschen aber jeden Gedanken an Urlaub verscheuchen. "Wir wollen noch einmal den Konkurrenzkampf in den nächsten zehn Tagen", betonte der Bundestrainer. Dass der Chef des Unternehmens "Titelgewinn 2008" zunächst 26 statt der für die Europameisterschaft zugelassenen 23 Akteure ins Trainingslager mitnimmt, soll bis zum Ende des EM-"Castings" (Löw) am 28. Mai für positive Unruhe sorgen. Soll heißen: Knallharter Konkurrenzkampf. Und eines wurde am Wochenende am letzten Bundesligaspieltag klar: Die möglichen Streichkandidaten tun alles, um das EM-Ticket zu lösen.
Ballack kommt nach dem Champions-League-Finale
Kapitän Ballack, der mit seinem FC Chelsea am Mittwoch in Moskau im Champions-League-Finale gegen Manchester United steht, und Abwehrchef Christoph Metzelder, der nach langer Verletzung am Dienstag bei einem Freundschaftsspiel von Real Madrid in Saudi- Arabien noch dringend nötige Spielpraxis sammeln soll, steigen auf Mallorca erst verspätet in die EM-Vorbereitung ein. "Metzelder wird am Mittwoch zu uns stoßen. Wann Ballack kommt, wird noch geklärt", sagte der Bundestrainer. Ansonsten überstanden alle Akteure den letzten Spieltag unbeschadet. "Alle 24 vorgesehenen Spieler sind dabei", berichtete der Bundestrainer.
Merkel vertraut dem DFB-Team
Das Vertrauen der Kanzlerin haben Löw und seine Spieler. "Ich bin sicher, Joachim Löw hat mit der Benennung des Kaders auf der Zugspitze noch nicht den letzten Gipfel erreicht. Diese Mannschaft zählt für mich zum engeren Favoritenkreis. Ich traue ihr bei dem Turnier viel zu", übermittelte Angela Merkel. Nach dem Test-Länderspiel am 27. Mai in Kaiserslautern gegen Weißrussland ist das Auswahl-Verfahren "23 aus 26" beendet. Auf dem Rückflug nach Palma direkt nach der Partie werden drei Plätze im Flugzeug unbesetzt bleiben. "Mit diesem Druck müssen die Spieler umgehen können", forderte der Bundestrainer, der am 28. Mai seinen endgültigen EM-Kader der UEFA melden muss.
Beachvolleyball, Tennis oder Golf
Dem sportlichen Druck auf Mallorca wollen die DFB-Verantwortlichen aktive Erholung und individuelle Übungsabläufe entgegensetzen. Jeder der 26 Auserwählten bekommt ein auf seine Saison-Belastungen und möglichen Defizite abgestimmtes Aufbauprogramm. "Die Spieler kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, darauf werden wir in Gruppen reagieren", verriet Löw. So stehen bei erwartet schönem Wetter - nach leichten Gewittern am Montag sagen die Meteorologen von Dienstag an Sonnenschein und rund 20 Grad voraus - zunächst Ausgleichssportarten wie Beachvolleyball, Tennis oder auch Golf zur Auswahl. Die Spieler können die freie Zeit mit ihren Frauen und Kindern verbringen. Das Teamhotel Arabella Sheraton Son Vita, das der DFB exklusiv gebucht hat, bietet dafür beste Voraussetzungen.
Bierhoff nimmt die Spieler in die Pflicht
Erst nach Abreise der Familien wird zum Ende der Woche der Fußball wieder in den Mittelpunkt rücken. Trainiert wird - wie schon vor der missglückten EM 2000 unter Teamchef Erich Ribbeck - im Stadion von Real Mallorca. Dort hat der DFB wieder extra ein hochmodernes Fitnesscenter eingerichtet. "Die Rahmenbedingungen sind gesetzt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Nun sind die Spieler am Zug - und die sind heiß. "Das war ein Super-Jahr mit Bayern. Jetzt wollen wir noch Europameister werden", erklärte Lukas Podolski bei den Meisterfeierlichkeiten in München. Sein Bayern-Teamkollege Philipp Lahm schloss an: "Wir freuen uns auf die EM. Keiner von uns denkt an Urlaub." Zum Saison-Abschluss standen alle 19 Mallorca-Fahrer, die in der Bundesliga aktiv sind, noch einmal auf dem Platz. Miroslav Klose gab nach Nasenbeinbruch ein Kurz-Comeback.
Packende Duelle um drei Plätze
In den Tagen von Mallorca werden nicht nur die Neulinge Marko Marin und René Adler, die Zweitliga-Akteure Oliver Neuville und Patrick Helmes, die Wackelkandidaten Piotr Trochowski, David Odonkor und Jermaine Jones sowie Rückkehrer Metzelder unter besonderer Beobachtung stehen, sondern auch alle anderen Spieler. "Jeder weiß, dass er etwas tun muss", erklärte Löw. Die frisch geschürte Konkurrenz hält Lahm für nichts Besonderes: "Konkurrenzkampf ist eh immer da in der Nationalmannschaft, denn jeder will auch spielen."
Bericht und Quelle:
http://sport.t-online.de/c/15/08/14/56/15081456.html