Es gibt Spieler, die benötigen zwingend eine charakterstarke Heldenfigur, mit der sie sich identifizieren können. Jemanden wie Solid Snake („Metal Gear Solid“-Reihe), Lara Croft („Tomb Raider“) oder Sam Fisher („Splinter Cell“). Das baut dann – zusammen mit der in diesen Spielen in der Regel guten Geschichte – die nötige Spannung auf, um den Auftrag von Anfang bis zum Ende hochmotiviert durchzustehen. Dass es aber auch sehr gut ohne hervorstechenden Helden geht, zeigten die Entwickler der Kaos Studios bereits vor einigen Jahren. Damals noch unter dem Namen Trauma Studios agierend, waren sie unter anderem federführend an der Entwicklung von Electronic Arts' Online-Scharmützel „Battlefield 2“ beteiligt. Dort schickten sie ebenso namenlose Kämpfer zu Felde wie in ihrem neuesten Actionspiel „Frontlines – Fuel of War“.
Im Gegensatz zu Battlefield 2 gibt es diesmal sogar eine Geschichte, wenn auch keine ungewöhnliche: Die letzten frei zugänglichen Ölquellen der Erde sind im Jahre 2028 fast erschöpft. Unmittelbare Folge: Die Weltwirtschaft bricht zusammen, die hungernden Massen lassen ihrer Wut freien Lauf und zetteln blutige Aufstände an. Die verbliebenen Staaten bilden verfeindete Blöcke – jeder will sich die letzten Ölvorräte sichern. Auf der einen Seite haben sich die USA mit Europa zur sogenannten „Western Coalition“ verbündet. Dem Pakt steht eine Allianz gegenüber, die sich aus den Großmächten Russland und China zusammensetzt. Eines Tages besetzt die „Red Star Alliance“ eine Ölraffinerie in Turkmenistan, was einer Kriegserklärung gleichkommt. Als namenloser Soldat der westlichen Spezialeinheit „Stray Dogs“ gilt es, die Rotstern-Allianz zu vernichten und die Anlagen zu erobern.
Einzelspieler-Modus mit Pfiff
Der Einzelspieler-Modus hält sich nicht unnötig mit drögen Trainingseinheiten (dem sogenannten Tutorial) auf. Das muss er auch nicht, denn Steuerung und Waffengebrauch sind typisch für ein Actionspiel, in dem Sie die Spielfigur aus der Ich-Ansicht (Ego-Perspektive) steuern. Es gibt keine Tarnanzüge, futuristische Waffensysteme, Zeitreise-Module oder sonstigen Schnickschnack, der in vielen aktuellen Ballerspielen eingebaut ist. Frontlines beschränkt sich auf das Wesentliche – und macht da alles richtig. Selten wurde Kugelhagel akustisch so aufregend in Szene gesetzt. Maschinengewehre, Raketenwerfer, Sturmgeschütze oder Granatwerfer hämmern dermaßen, dass es – entsprechendes Audio-Equipment vorausgesetzt – eine wahre Freude ist. Explosionen lassen förmlich die Wände vibrieren. Und die Optik stützt den realistischen Eindruck. Raketengeschosse zerschmettern lebensnah inszeniert die Deckung des Feindes. Im Kugelhagel spritzen Steinbrocken durch die Luft, wenn Sie eine Betonmauer unter Beschuss nehmen, hinter der der Feind lauert. Eine Salve auf ein Holzbrett lässt Dutzende von Splittern durch die Luft schwirren. Beeindruckend!
Jede der sieben umfangreichen Missionen funktioniert ähnlich. Immer geht es darum, den Verlauf der Frontlinie durch die Einnahme von markanten Punkten weiter in das Gebiet des Feindes zu verschieben – wie bei Battlefield 2. Dazu hacken Sie Computer, legen Sprengsätze oder überrennen Stellungen des Feindes. Dabei sind Sie nicht allein, stets folgen Ihnen ein halbes Dutzend „Stray Dogs“-Mitstreiter. Allerdings hören die nicht auf Ihr Kommando, ein Befehlssystem wie bei „Kane & Lynch“ beispielsweise gibt es nicht. Sie feuern selbstständig auf die Feinde.
Große Hilfe versprechen die kleinen Drohnen, die Sie ab und an in den weitläufigen Arealen finden. Da wären beispielsweise zwei unterschiedliche Spionage-Helikopter im Miniformat. Das Technikspielzeug lässt sich hinter die feindlichen Linien fernsteuern, sodass Sie eine Gefahr frühzeitig erkennen. Nicht nur das: Eines der beiden Modelle verfügt über Raketen, die Infanteristen und leicht gepanzerte Fahrzeuge ausschalten.
Sollten Sie dann doch mal im Kampf fallen, wird ihr Held – im Stile eines Online-Actionspiels – binnen weniger Sekunden wieder auf das Schlachtfeld zurückgesetzt. Wie oft das innerhalb einer Mission möglich ist, bestimmt der zu Beginn des Spiels gewählte Schwierigkeitsgrad.
Fazit
Punkte einnehmen, Wiederbelebung (Respawn), Frontverlauf verschieben: Überraschend gut funktionieren die aus Multiplayer-Spielen bekannten Elemente im Einzelspieler-Modus von Frontlines – Fuel of War. Und dabei gibt es optisch wie akustisch keinen Grund zum Meckern. Klasse auch: Im Gegensatz zu Genre-Vertretern wie Battlefield 2 sind die realitätsnah in Szene gesetzten Umgebungen auch zerstörbar. Sollte der in der Vorabversion noch nicht enthaltene Mehrspieler-Modus ähnlich spaßig sein wie die Kampagne und die künstliche Intelligenz der Mitstreiter noch etwas nachvollziehbarer auf bestimmte Spielsituationen reagieren, dann könnte Frontlines – Fuel of War einer der großen Titel des Jahres werden. Das Potenzial ist groß.
„Frontlines – Fuel of War“ erscheint am 29. Februar für PC und Xbox 360
Quelle:
http://www.computerbild.de/artikel/cbs-V...ar_2217407.html