lordbuck
Bald werden deutlich mehr Notebooks als stationäre Computer verkauft, doch nicht nur die klassischen Mobilrechner verdrängen den Desktop-PC: Mobile Gadgets wie Handys oder MP3-Player, aber auch Spielkonsolen, Settop-Boxen und Streaming-Clients übernehmen immer mehr Funktionen und verändern endgültig unsere IT-Nutzungsweise.
Auf zu neuen Ufern: Die CeBIT 2008 startet und allüberall bricht die Revolution aus, wo doch die Revolutionäre schon in die Jahre gekommen schienen. Unterwegs sind wir Anwender endlich befreit von den Nickligkeiten verschiedener Mobilfunknetze und nicht zu entziffernder Internet-Seiten auf kleinen Handy-Displays; zu Hause haben wir die schöne neue vernetzte Medienwelt endlich im Griff und lärmbefreit in jedem Raum verfügbar; die Verwalter der Firmen-IT freuen sich, die Stromrechnungen ihrer Rechenzentren und das Management all ihrer Server unter Kontrolle zu haben. Die Exaltiertheit vieler Marketiers, die im Vorfeld der CeBIT wieder das große Wort führen, stößt allerdings bei vielen Anwendern auf eine gehörige Portion Skepsis. Zu Recht: Schon viel zu oft wurde die Revolution versprochen, die alles einfacher, alles mobil, alles problemlos nutzbar machen sollte.
Nicht zu übersehen ist aber ein Wandel im Umgang mit der IT-Hardware, auf den die Hersteller sowohl mit den entwickelten Techniken als auch mit den angebotenen Produkten reagieren. Wir wollen zu Hause schlicht ein funktionierendes Netzwerk mit gesichertem, einfachen Zugriff auf alle unsere Daten und Medien – wie der Zugriff erfolgt, ist piepegal, er muss nur der Umgebung und dem Einsatzzweck angepasst sein. Wen interessieren schon die Nodes, an denen wir zu Hause aufs Internet, auf unsere Daten, auf Unterhaltungsmedien zugreifen … Und wir wollen grundsätzlich das Gleiche auch unterwegs: ein funktionierendes Netz mit mobilem Zugriff auf dieselben Daten und Medien wie zu Hause. Wir denken mittlerweile grundsätzlich mobil. Was nicht heißt, ständig in der Weltgeschichte unterwegs zu sein, sondern mit dem Anspruch an IT heranzugehen, dass sie uns persönliche Daten, Musik und Videos überall dort bereitstellt, wo wir sie gerade brauchen – sei dies nun im Wohnzimmer, im Arbeitszimmer oder in der Lüneburger Heide.
Zeit des Wandels
Steht also der normale PC, wie wir ihn alle seit vielen Jahren kennen, wie wir ihn möglicherweise schon oft selbst zusammengebaut oder erweitert haben, endgültig vor dem Ende? Ist der PC als modulare Plattform, die verspricht, alles zu können, vom Aussterben bedroht? Soweit ist es wohl noch nicht ganz, aber als der hauptsächlich oder für die meisten digitalen Anwendungen genutzte Computer dient der typische Desktop-PC immer weniger Menschen. Vielen Haushalten steht mittlerweile außer dem stationären Rechner noch ein Notebook zur Verfügung, für Spiele kommt eine Konsole zum Einsatz. Immer mehr Handys können so gut mit E-Mails umgehen, dass man nur noch für wenige Attachments unbedingt den PC braucht – einige häufig reisende Blackberry-Besitzer scheinen E-Mails nur noch am Funkgerät zu lesen. Und wie das iPhone beweist, lassen sich mit einer gut gemachten Kombination aus Browser und Touchscreen viele Webseiten passabel nutzen; Nachteile wie den kleinen Bildschirm und das Fehlen der Tastatur wiegen die Vorteile „always on“ und „immer dabei“ auf.
Neue Gerätetypen mit immer leistungsfähigeren Prozessoren und Schnittstellen bringen neue Nutzungsweisen hervor, zudem erscheinen laufend neue Funktionskombinationen. Wozu einen teuren und mühsam auf Zimmerlautstärke gedämmten Wohnzimmer-PC kaufen, wenn die vernetzte Spielkonsole oder der Festplatten-Videorecorder die Medienwiedergabe nebenbei erledigen – und oft zusätzlich einen bereits ganz brauchbaren Internet-Zugang bieten? Wozu braucht man einen Heim-Server, wenn NAS-Festplatten oder der WLAN-Router mit per USB angebundener Disk ganz ähnliche Aufgaben billiger erledigen?
Natürlich: Der PC hat noch sehr viele Fans, die seine Flexibilität und Erweiterbarkeit schätzen. Außerdem dringt nur der klassische stationäre Rechner im Tower-Blechkleid in die höheren Performance-Regionen vor. Jedoch brauchen nur sehr wenige Käufer tatsächlich mehr als zwei oder vier CPU-Kerne, kaum jemand benötigt heutzutage wirklich 8 GByte RAM, und schon gar nicht sind für 99 Prozent der Anwendungsszenarien Highend-Grafikkarten erforderlich.
Außer professionellen Workstation-Nutzern, wenigen besonders ambitionierten Video- und Tonstudio-Amateuren und einigen PC-Bastlern bleiben hier als kommerziell lohnende Zielgruppe fast nur betuchte Gamer übrig, die die jeweils neuesten Action-Titel an hoch auflösenden Riesen-Displays spielen wollen. Für eine immer breitere Masse potenzieller Käufer zählt beim Desktop-PC aber nur noch der Preis, denn aktuelle Hardware bietet schon im Billigsegment mehr als genügend Performance für die klassischen Büro- und Internet-Anwendungen – und auch für die meisten Spiele, zumal sich die Computerspiel-Industrie immer mehr hin zu familientauglichen Gesellschaftsspielen bewegt und zu „Nutzanwendungen“ wie Fitnessprogrammen oder Hirntrainern. Deshalb scheint die Zeit auch reif für Ultra-Lowcost-Ansätze wie den Asus EeePC: Kein Billigschrott, sondern wohl überlegte und gestaltete Beschränkung auf das Wesentlichste.
Unschärfe
Das Durcheinander der technischen Lösungen für das Ultra-Billig-Segment, Mobilgeräte und Highend-Systeme macht das Angebot für viele Kunden schwer durchschaubar – kaum ist für den normalen Verbraucher zu erkennen, wohin die Entwicklung den PC führen mag, was für die gewünschten Anwendungsprofile in den nächsten Monaten an Systemen und Komponenten zur Verfügung stehen wird. Doch einige Entwicklungen zeichnen sich deutlich ab, denn weiterhin definiert die Halbleitertechnik die Möglichkeiten, aus denen Chiphersteller die nach ihrem Geschäftsmodell und ihrer Markteinschätzung lukrativsten Ansätze wählen können, um sie in konkrete Produkte umzusetzen.
Ganz unzweifelhaft ist die wichtigste Entwicklung die Multi-Core-Technik: Prozessoren mit nur einem Kern sterben aus, Ende dieses Jahres wird Intel aller Wahrscheinlichkeit nach den ersten Prozessor mit vier physischen und acht logischen Kernen für Desktop-Rechner vorstellen. Im Highend-Segment ist die Multi-Core- und Multi-Prozessor-Technik bereits Alltag: In Workstations wie dem Apple Mac Pro kooperieren oft schon zwei Prozessoren mit jeweils vier Kernen und einem vierkanaligen Speichercontroller, Multi-GPU-Architekturen sind über ihren Tandem-Status schon hinaus: Drei-Wege-SLI und sehr bald auch CrossFireX für vier GPUs sind Realität. Das extreme Performance-Potenzial geht aber auch mit hohen Preisen und eingeschränkter Flexibilität bei der Konfiguration einher: Außer dem passenden Mainboard mit mehreren CPU-Fassungen und Spezial-Chipsatz braucht man auch Netzteile mit 800 bis 1500 Watt Nennleistung sowie ein entsprechendes Kühlsystem.
Solche Leistungszahlen treiben natürlich Klimaschützern und umweltbewussten Anwendern die Tränen in die Augen – ebenso wie die Vorstellung, welcher Energiebedarf für all die unterschiedliche stationäre und mobile Hardware und ihre Vernetzung entsteht. Die IT-Branche will sich aber nun nicht mehr nachsagen lassen, das Schmuddelkind der Industrie zu sein: Green IT ist nicht nur das Hype-Thema auf der CeBIT 2008, sondern beschäftigt die Prozessor- und Gerätehersteller intensiv. Was nun aber beileibe nicht daran liegt, dass die Branche plötzlich ihr ökologisches Gewissen entdeckt hat – Klimaschutz ist eher ein dankbar mitgenommener und in der Werbung gern genutzter Nebeneffekt. So oder so ist Energieeffizienz für eine überall nutzbare und auf mobile Einsatzzwecke angepasste Hardware unabdingbar. Welcher Anwender möchte schon seine mobile Surfstation oder den multimedialen Handheld für den Zugriff aufs heimische Mediennetz alle halbe Stunde ans Stromnetz hängen? Und die Anbieter, die Infrastruktur vom Internet-Zugang über Mobilfunknetze bis hin zu Webhosting- und Streaming-Serverfarmen bereitstellen, stöhnen jetzt schon unter exorbitanten Stromkosten für den Betrieb der Rechenzentren. Ganz zu schweigen davon, dass etwa die Kühlung der Serverfarmen ohne Steigerung der Energieeffizienz kaum noch handhabbar erscheint.
Teamarbeit
Grüne IT hin, Energieeffizienz her: Parallelrechnen mit mehreren Prozessorkernen ist nicht nur für Highend-Gamer-Systeme vorgesehen, sondern mittlerweile schon im Billigsegment Standard: Einen Celeron Dual-Core gibt es schon, selbst der Superspar-Prozessor Silverthorne für iPhone-artige Mobile Internet Devices (MID) präsentiert sich dank Hyper-Threading virtuell zweikernig. Silverthorne – den Intel-Chef Otellini für die seit Jahren wichtigste Produkteinführung seines Unternehmens hält – soll Türöffner sein für „x86 Everywhere“: x86- beziehungsweise x64-Technik nicht nur in Desktop-Rechnern, Notebooks, Servern, Workstations und Handys, sondern etwa auch in Waschmaschinen, Industrierobotern, Satelliten und Autos.
Noch wirken die Anstrengungen, die x86-Technik effizienter und auch insgesamt sparsamer zu machen, recht bemüht – der Abstand zum Handy-Dominator ARM scheint gewaltig, was Chip-Flächenbedarf und Leistungsaufnahme angeht. Doch x86 will gar nicht unbedingt in allen Disziplinen gleichziehen, sondern seine Nachteile durch den großen Trumpf der x86-Binärkompatibilität wettmachen: Während Handy-Entwickler ihre Software heute noch an unterschiedliche Plattformen konkurrierender Chiphersteller wie Freescale, Texas Instruments, NEC, NXP, Qualcomm, Samsung oder STMicroelectronics anpassen müssen, könnte in Zukunft das Einspielen einiger Treiber genügen. Außerdem stünde den Anwendern der Geräte nicht mehr nur ein beschränktes Reservoir an Applikationen zur Auswahl, sondern (in den Grenzen von Rechenleistung, Speicherplatz und Bildschirmgröße) auch ein riesiges Software-Angebot. Deshalb auch paktiert Intel bei den MIDs explizit nicht mit Microsoft: Windows Mobile ist nämlich kein echtes x86-Betriebssystem, sondern eines für ARM und Co., lediglich die Oberfläche sieht ein bisschen wie Windows aus. Intels Mobile Internet Devices sollen unter Linux laufen, jedenfalls die Geräte, die nicht Intels Freunde bei Apple bauen …
Der ganze Intel-Jubel über Silverthorne sollte aber nicht davon ablenken, dass hier Zukunftsmusik gespielt wird: Erst 2009 kommt nämlich mit der Moorestown-Plattform ein System-on-Chip (SoC), bei dem CPU, Grafikprozessor und Speichercontroller in einem Gehäuse sitzen und das nochmals sparsamer arbeiten soll. AMD schaut Intels Treiben selbstverständlich nicht tatenlos zu, sondern will mit Fusion 2009 ebenfalls einen CPU-GPU-Kombichip ins Rennen schicken. Man munkelt, dass auch VIA an einer Single-Chip- oder SoC-Integration von CPU und Chipsatz-Northbridge tüftelt.
Chip-Kombinationen machen aber nicht bei dieser klassischen Herangehensweise Halt: Asymmetrische Multi-Cores stehen vor der Tür. Weil die Software-Entwicklung der CPU-Parallelisierung weit hinterherhinkt, bringen Prozessoren mit mehr als zwei identischen Kernen nur in wenigen Anwendungen unmittelbar Vorteile. Da stellt sich die Frage, ob die Chipfläche in vielen Fällen nicht anders besser genutzt wäre – und Intel will angeblich bereits 2009 mit dem Havendale einen Prozessor für Desktop-Rechner herausbringen, der außer zwei Hyper-Threading-tauglichen x64-Kernen auch einen Grafikkern enthält. Ähnliches scheint auch bei den Grafikprozessoren anzustehen: Nvidia hat mit Ageia die Entwickler der PhysX-Engine übernommen und wird die Funktionen dieses Coprozessors sicherlich bald in GPU-Kerne integrieren. Auch die Nutzung von Grafikchips als Mathematik-Coprozessoren ist bereits in der Testphase, es fehlt aber noch an Schnittstellen zu Standard-Software. Einen Kryptobeschleuniger, wie ihn VIA bereits den C5-, C7- und kommenden CN-Prozessoren eingebaut hat, will Intel ab Herbst mit dem Chipsatz Q45 in der PC-Hardware verankern.
Ubiquitous Computing
Welche Chips, welches Betriebssystem auf PC, Notebook, Heimserver, Wohnzimmer-PC, Handy, Navigationsgerät, WLAN-Radio oder im Auto zum Einsatz kommen, interessiert eigentlich die meisten Anwender nicht so genau. Wichtig ist, dass die Bedienung intuitiv gelingt, der Datenaustausch zuverlässig funktioniert und persönliche Daten vor fremdem Zugriff sicher sind.
Hardware ist nur Mittel zum Zweck – auf Software und Systemarchitektur kommt es an. Prominentestes Beispiel aus jüngster Zeit ist das iPhone: Kurz nachdem Siemens als Marktelefant mit jahrzehntelanger Erfahrung im Handy-Geschäft grandios gescheitert war, rollte Newcomer Apple aus dem Nichts das Highend-Segment auf. Die meisten iPhone-Komponenten sind dabei schon seit Jahren verfügbar, doch offenbar ist außer Apple niemand auf die zündende Idee gekommen, wie man sie optimal kombiniert. Eine ähnlich tragfähige Idee fehlt offenbar noch, um dem alles andere als neuen Konzept des Überall-Rechners Leben einzuhauchen. Eigentlich ist unser persönliches Umfeld bereits mit netzwerktauglichen und in weiten Grenzen frei programmierbaren Geräten zugepflastert, die mehr Rechenleistung aufzubieten haben als ein einige Jahre alter PC. Und die Hersteller scheinen zunehmend die Revolution nicht nur auszurufen, sondern diese Rechenleistung im Sinne der Anwender auch zu nutzen. Es fehlt also nicht an der Basis, auf der die nächste revolutionäre Killerapplikation bauen könnte. Vielleicht legen diejenigen, die heute 15 Jahre alt sind und mit dem allüberall verfügbaren Computer und Mediennetzwerk aufwachsen, das Feuer an die Lunte. (jk)
Bericht und Quelle: http://www.heise.de/ct/08/06/116/
Auf zu neuen Ufern: Die CeBIT 2008 startet und allüberall bricht die Revolution aus, wo doch die Revolutionäre schon in die Jahre gekommen schienen. Unterwegs sind wir Anwender endlich befreit von den Nickligkeiten verschiedener Mobilfunknetze und nicht zu entziffernder Internet-Seiten auf kleinen Handy-Displays; zu Hause haben wir die schöne neue vernetzte Medienwelt endlich im Griff und lärmbefreit in jedem Raum verfügbar; die Verwalter der Firmen-IT freuen sich, die Stromrechnungen ihrer Rechenzentren und das Management all ihrer Server unter Kontrolle zu haben. Die Exaltiertheit vieler Marketiers, die im Vorfeld der CeBIT wieder das große Wort führen, stößt allerdings bei vielen Anwendern auf eine gehörige Portion Skepsis. Zu Recht: Schon viel zu oft wurde die Revolution versprochen, die alles einfacher, alles mobil, alles problemlos nutzbar machen sollte.
Nicht zu übersehen ist aber ein Wandel im Umgang mit der IT-Hardware, auf den die Hersteller sowohl mit den entwickelten Techniken als auch mit den angebotenen Produkten reagieren. Wir wollen zu Hause schlicht ein funktionierendes Netzwerk mit gesichertem, einfachen Zugriff auf alle unsere Daten und Medien – wie der Zugriff erfolgt, ist piepegal, er muss nur der Umgebung und dem Einsatzzweck angepasst sein. Wen interessieren schon die Nodes, an denen wir zu Hause aufs Internet, auf unsere Daten, auf Unterhaltungsmedien zugreifen … Und wir wollen grundsätzlich das Gleiche auch unterwegs: ein funktionierendes Netz mit mobilem Zugriff auf dieselben Daten und Medien wie zu Hause. Wir denken mittlerweile grundsätzlich mobil. Was nicht heißt, ständig in der Weltgeschichte unterwegs zu sein, sondern mit dem Anspruch an IT heranzugehen, dass sie uns persönliche Daten, Musik und Videos überall dort bereitstellt, wo wir sie gerade brauchen – sei dies nun im Wohnzimmer, im Arbeitszimmer oder in der Lüneburger Heide.
Zeit des Wandels
Steht also der normale PC, wie wir ihn alle seit vielen Jahren kennen, wie wir ihn möglicherweise schon oft selbst zusammengebaut oder erweitert haben, endgültig vor dem Ende? Ist der PC als modulare Plattform, die verspricht, alles zu können, vom Aussterben bedroht? Soweit ist es wohl noch nicht ganz, aber als der hauptsächlich oder für die meisten digitalen Anwendungen genutzte Computer dient der typische Desktop-PC immer weniger Menschen. Vielen Haushalten steht mittlerweile außer dem stationären Rechner noch ein Notebook zur Verfügung, für Spiele kommt eine Konsole zum Einsatz. Immer mehr Handys können so gut mit E-Mails umgehen, dass man nur noch für wenige Attachments unbedingt den PC braucht – einige häufig reisende Blackberry-Besitzer scheinen E-Mails nur noch am Funkgerät zu lesen. Und wie das iPhone beweist, lassen sich mit einer gut gemachten Kombination aus Browser und Touchscreen viele Webseiten passabel nutzen; Nachteile wie den kleinen Bildschirm und das Fehlen der Tastatur wiegen die Vorteile „always on“ und „immer dabei“ auf.
Neue Gerätetypen mit immer leistungsfähigeren Prozessoren und Schnittstellen bringen neue Nutzungsweisen hervor, zudem erscheinen laufend neue Funktionskombinationen. Wozu einen teuren und mühsam auf Zimmerlautstärke gedämmten Wohnzimmer-PC kaufen, wenn die vernetzte Spielkonsole oder der Festplatten-Videorecorder die Medienwiedergabe nebenbei erledigen – und oft zusätzlich einen bereits ganz brauchbaren Internet-Zugang bieten? Wozu braucht man einen Heim-Server, wenn NAS-Festplatten oder der WLAN-Router mit per USB angebundener Disk ganz ähnliche Aufgaben billiger erledigen?
Natürlich: Der PC hat noch sehr viele Fans, die seine Flexibilität und Erweiterbarkeit schätzen. Außerdem dringt nur der klassische stationäre Rechner im Tower-Blechkleid in die höheren Performance-Regionen vor. Jedoch brauchen nur sehr wenige Käufer tatsächlich mehr als zwei oder vier CPU-Kerne, kaum jemand benötigt heutzutage wirklich 8 GByte RAM, und schon gar nicht sind für 99 Prozent der Anwendungsszenarien Highend-Grafikkarten erforderlich.
Außer professionellen Workstation-Nutzern, wenigen besonders ambitionierten Video- und Tonstudio-Amateuren und einigen PC-Bastlern bleiben hier als kommerziell lohnende Zielgruppe fast nur betuchte Gamer übrig, die die jeweils neuesten Action-Titel an hoch auflösenden Riesen-Displays spielen wollen. Für eine immer breitere Masse potenzieller Käufer zählt beim Desktop-PC aber nur noch der Preis, denn aktuelle Hardware bietet schon im Billigsegment mehr als genügend Performance für die klassischen Büro- und Internet-Anwendungen – und auch für die meisten Spiele, zumal sich die Computerspiel-Industrie immer mehr hin zu familientauglichen Gesellschaftsspielen bewegt und zu „Nutzanwendungen“ wie Fitnessprogrammen oder Hirntrainern. Deshalb scheint die Zeit auch reif für Ultra-Lowcost-Ansätze wie den Asus EeePC: Kein Billigschrott, sondern wohl überlegte und gestaltete Beschränkung auf das Wesentlichste.
Unschärfe
Das Durcheinander der technischen Lösungen für das Ultra-Billig-Segment, Mobilgeräte und Highend-Systeme macht das Angebot für viele Kunden schwer durchschaubar – kaum ist für den normalen Verbraucher zu erkennen, wohin die Entwicklung den PC führen mag, was für die gewünschten Anwendungsprofile in den nächsten Monaten an Systemen und Komponenten zur Verfügung stehen wird. Doch einige Entwicklungen zeichnen sich deutlich ab, denn weiterhin definiert die Halbleitertechnik die Möglichkeiten, aus denen Chiphersteller die nach ihrem Geschäftsmodell und ihrer Markteinschätzung lukrativsten Ansätze wählen können, um sie in konkrete Produkte umzusetzen.
Ganz unzweifelhaft ist die wichtigste Entwicklung die Multi-Core-Technik: Prozessoren mit nur einem Kern sterben aus, Ende dieses Jahres wird Intel aller Wahrscheinlichkeit nach den ersten Prozessor mit vier physischen und acht logischen Kernen für Desktop-Rechner vorstellen. Im Highend-Segment ist die Multi-Core- und Multi-Prozessor-Technik bereits Alltag: In Workstations wie dem Apple Mac Pro kooperieren oft schon zwei Prozessoren mit jeweils vier Kernen und einem vierkanaligen Speichercontroller, Multi-GPU-Architekturen sind über ihren Tandem-Status schon hinaus: Drei-Wege-SLI und sehr bald auch CrossFireX für vier GPUs sind Realität. Das extreme Performance-Potenzial geht aber auch mit hohen Preisen und eingeschränkter Flexibilität bei der Konfiguration einher: Außer dem passenden Mainboard mit mehreren CPU-Fassungen und Spezial-Chipsatz braucht man auch Netzteile mit 800 bis 1500 Watt Nennleistung sowie ein entsprechendes Kühlsystem.
Solche Leistungszahlen treiben natürlich Klimaschützern und umweltbewussten Anwendern die Tränen in die Augen – ebenso wie die Vorstellung, welcher Energiebedarf für all die unterschiedliche stationäre und mobile Hardware und ihre Vernetzung entsteht. Die IT-Branche will sich aber nun nicht mehr nachsagen lassen, das Schmuddelkind der Industrie zu sein: Green IT ist nicht nur das Hype-Thema auf der CeBIT 2008, sondern beschäftigt die Prozessor- und Gerätehersteller intensiv. Was nun aber beileibe nicht daran liegt, dass die Branche plötzlich ihr ökologisches Gewissen entdeckt hat – Klimaschutz ist eher ein dankbar mitgenommener und in der Werbung gern genutzter Nebeneffekt. So oder so ist Energieeffizienz für eine überall nutzbare und auf mobile Einsatzzwecke angepasste Hardware unabdingbar. Welcher Anwender möchte schon seine mobile Surfstation oder den multimedialen Handheld für den Zugriff aufs heimische Mediennetz alle halbe Stunde ans Stromnetz hängen? Und die Anbieter, die Infrastruktur vom Internet-Zugang über Mobilfunknetze bis hin zu Webhosting- und Streaming-Serverfarmen bereitstellen, stöhnen jetzt schon unter exorbitanten Stromkosten für den Betrieb der Rechenzentren. Ganz zu schweigen davon, dass etwa die Kühlung der Serverfarmen ohne Steigerung der Energieeffizienz kaum noch handhabbar erscheint.
Teamarbeit
Grüne IT hin, Energieeffizienz her: Parallelrechnen mit mehreren Prozessorkernen ist nicht nur für Highend-Gamer-Systeme vorgesehen, sondern mittlerweile schon im Billigsegment Standard: Einen Celeron Dual-Core gibt es schon, selbst der Superspar-Prozessor Silverthorne für iPhone-artige Mobile Internet Devices (MID) präsentiert sich dank Hyper-Threading virtuell zweikernig. Silverthorne – den Intel-Chef Otellini für die seit Jahren wichtigste Produkteinführung seines Unternehmens hält – soll Türöffner sein für „x86 Everywhere“: x86- beziehungsweise x64-Technik nicht nur in Desktop-Rechnern, Notebooks, Servern, Workstations und Handys, sondern etwa auch in Waschmaschinen, Industrierobotern, Satelliten und Autos.
Noch wirken die Anstrengungen, die x86-Technik effizienter und auch insgesamt sparsamer zu machen, recht bemüht – der Abstand zum Handy-Dominator ARM scheint gewaltig, was Chip-Flächenbedarf und Leistungsaufnahme angeht. Doch x86 will gar nicht unbedingt in allen Disziplinen gleichziehen, sondern seine Nachteile durch den großen Trumpf der x86-Binärkompatibilität wettmachen: Während Handy-Entwickler ihre Software heute noch an unterschiedliche Plattformen konkurrierender Chiphersteller wie Freescale, Texas Instruments, NEC, NXP, Qualcomm, Samsung oder STMicroelectronics anpassen müssen, könnte in Zukunft das Einspielen einiger Treiber genügen. Außerdem stünde den Anwendern der Geräte nicht mehr nur ein beschränktes Reservoir an Applikationen zur Auswahl, sondern (in den Grenzen von Rechenleistung, Speicherplatz und Bildschirmgröße) auch ein riesiges Software-Angebot. Deshalb auch paktiert Intel bei den MIDs explizit nicht mit Microsoft: Windows Mobile ist nämlich kein echtes x86-Betriebssystem, sondern eines für ARM und Co., lediglich die Oberfläche sieht ein bisschen wie Windows aus. Intels Mobile Internet Devices sollen unter Linux laufen, jedenfalls die Geräte, die nicht Intels Freunde bei Apple bauen …
Der ganze Intel-Jubel über Silverthorne sollte aber nicht davon ablenken, dass hier Zukunftsmusik gespielt wird: Erst 2009 kommt nämlich mit der Moorestown-Plattform ein System-on-Chip (SoC), bei dem CPU, Grafikprozessor und Speichercontroller in einem Gehäuse sitzen und das nochmals sparsamer arbeiten soll. AMD schaut Intels Treiben selbstverständlich nicht tatenlos zu, sondern will mit Fusion 2009 ebenfalls einen CPU-GPU-Kombichip ins Rennen schicken. Man munkelt, dass auch VIA an einer Single-Chip- oder SoC-Integration von CPU und Chipsatz-Northbridge tüftelt.
Chip-Kombinationen machen aber nicht bei dieser klassischen Herangehensweise Halt: Asymmetrische Multi-Cores stehen vor der Tür. Weil die Software-Entwicklung der CPU-Parallelisierung weit hinterherhinkt, bringen Prozessoren mit mehr als zwei identischen Kernen nur in wenigen Anwendungen unmittelbar Vorteile. Da stellt sich die Frage, ob die Chipfläche in vielen Fällen nicht anders besser genutzt wäre – und Intel will angeblich bereits 2009 mit dem Havendale einen Prozessor für Desktop-Rechner herausbringen, der außer zwei Hyper-Threading-tauglichen x64-Kernen auch einen Grafikkern enthält. Ähnliches scheint auch bei den Grafikprozessoren anzustehen: Nvidia hat mit Ageia die Entwickler der PhysX-Engine übernommen und wird die Funktionen dieses Coprozessors sicherlich bald in GPU-Kerne integrieren. Auch die Nutzung von Grafikchips als Mathematik-Coprozessoren ist bereits in der Testphase, es fehlt aber noch an Schnittstellen zu Standard-Software. Einen Kryptobeschleuniger, wie ihn VIA bereits den C5-, C7- und kommenden CN-Prozessoren eingebaut hat, will Intel ab Herbst mit dem Chipsatz Q45 in der PC-Hardware verankern.
Ubiquitous Computing
Welche Chips, welches Betriebssystem auf PC, Notebook, Heimserver, Wohnzimmer-PC, Handy, Navigationsgerät, WLAN-Radio oder im Auto zum Einsatz kommen, interessiert eigentlich die meisten Anwender nicht so genau. Wichtig ist, dass die Bedienung intuitiv gelingt, der Datenaustausch zuverlässig funktioniert und persönliche Daten vor fremdem Zugriff sicher sind.
Hardware ist nur Mittel zum Zweck – auf Software und Systemarchitektur kommt es an. Prominentestes Beispiel aus jüngster Zeit ist das iPhone: Kurz nachdem Siemens als Marktelefant mit jahrzehntelanger Erfahrung im Handy-Geschäft grandios gescheitert war, rollte Newcomer Apple aus dem Nichts das Highend-Segment auf. Die meisten iPhone-Komponenten sind dabei schon seit Jahren verfügbar, doch offenbar ist außer Apple niemand auf die zündende Idee gekommen, wie man sie optimal kombiniert. Eine ähnlich tragfähige Idee fehlt offenbar noch, um dem alles andere als neuen Konzept des Überall-Rechners Leben einzuhauchen. Eigentlich ist unser persönliches Umfeld bereits mit netzwerktauglichen und in weiten Grenzen frei programmierbaren Geräten zugepflastert, die mehr Rechenleistung aufzubieten haben als ein einige Jahre alter PC. Und die Hersteller scheinen zunehmend die Revolution nicht nur auszurufen, sondern diese Rechenleistung im Sinne der Anwender auch zu nutzen. Es fehlt also nicht an der Basis, auf der die nächste revolutionäre Killerapplikation bauen könnte. Vielleicht legen diejenigen, die heute 15 Jahre alt sind und mit dem allüberall verfügbaren Computer und Mediennetzwerk aufwachsen, das Feuer an die Lunte. (jk)
Bericht und Quelle: http://www.heise.de/ct/08/06/116/